Tanz-Club-König


Artikel vom 29.09.2017

Tanzclub König: Mit Schwung auf Zeitreise

Der 85-jährige Marian Jagielski ist seit 35 Jahren Pächter und DJ im Tanzclub König. Am Freitag feiert das letzte verbliebene Bad Nauheimer Tanzlokal eine Jubiläumsparty.


Noch prangt eine goldene 30 hinter dem DJ-Pult von Marian Jagielski. Heute feiert er aber bereits das 35-jährige Bestehen des Tanz-Clubs König in Bad Nauheim.
 

Es ist 19 Uhr, die Discokugel wirft bunte Lichtpunkte auf die Tanzfläche, Schlagermusik füllt den Raum, die ersten Paare tanzen Discofox. Rund um die Tanzfläche stehen kleine Tische mit Polsterstühlen, auf den Tischen Kerzenlichter und Gläser mit Salzstangen. Gemütlich und nostalgisch, ein wenig wie aus der Zeit gefallen wirkt der Tanzclub König im gleichnamigen Hotel, Restaurant und Café in der Ludwigstraße. Auch wenn die Tage von Anzügen und Krawatten vorbei sind, sieht man, dass sich viele für den Abend in Schale geworfen haben. Alexander Kunzelmann kommt aus Bad Homburg. »Hier herrscht ein angenehmes Flair, das Personal ist immer nett. Man kann tanzen und auch Frauen kennenlernen. Es ist einfach eine schöne Atmosphäre.«

Paare, aber auch Singles kommen gerne hierher, Männer wie Frauen, viele sind seit Jahren Stammgäste des Tanzlokals. »In den 80er Jahren gab es 16 Tanzlokale in Bad Nauheim«, erzählt Jagielski, »wir sind das einzige, das übriggeblieben ist«. Damals seien noch viel mehr Kurgäste in der Stadt gewesen, die abends in den Tanzlokalen Abwechslung gesucht hätten. »Aber viele, die in Bad Nauheim zur Kur waren, kommen wieder hierher«, sagt Jagielski.

"Die Männer gucken viel, die Frauen tanzen lieber" Marian Jagielski


Auffallend ist, dass auf fast allen Tischen und entlang der Bar Reservierungsschilder stehen. »Die meisten sind Stammgäste. Die wären beleidigt, wenn sie ihren Stammplatz nicht bekommen«, erklärt der DJ und Pächter des Tanzlokals. Nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch aus Frankfurt, Gießen, Büdingen, Wetzlar oder Hanau kommen die tanzbegeisterten Schlagerfans. »Es ist wie in einer großen Familie, der Inhaber ist nett, und man fühlt sich auch ohne Partner gut aufgehoben«, sagt Bärbel Hoffmann aus Hanau. Früher sei sie aus Marburg angereist. Oft fahre sie dreimal in der Woche zum Tanzclub, die Gäste seien immer freundlich und höflich, sodass sie auch ohne Begleitung komme. Anfangs gab es nur einen Ruhetag in der Woche, mittlerweile ist donnerstags, freitags und samstags geöffnet, dafür sei es an diesen Tagen jetzt entsprechend voller. Um die 80 Gäste kämen mindestens.



Der Tanz-Club König ist seit 35 Jahren Anlaufpunkt für tanzbegeisterte Schlagerfans.

 

Der Tanzclub nimmt keinen Eintritt. »Was ich verdiene, reicht mir«, sagt Jagielski, »es geht mir darum, den Gästen Freude zu bereiten.« Die meisten kommen, weil man heute kaum noch irgendwo Schlagermusik und Paartanz finden kann. Nicht nur in Bad Nauheim, auch in größeren Städten sind Tanzlokale heute eine Seltenheit geworden. Die Amigos, Helene Fischer, Roland Kaiser – das ist die Musik, zu der hier geschwoft wird. Da die Frauen meist in der Mehrheit seien und die Herren oft nicht so tanzbegeistert, »lege ich auch schon mal Discomusik auf, Madonna zum Beispiel, damit die Damen auch alleine tanzen können«, erklärt Jagielski. »Die Männer gucken viel, die Frauen tanzen lieber.«

"Es gab immer mal wieder Gerüchte, ich würde den Tanzclub schließen. Aber ich mache weiter, bis ich als ältester DJ im Guinness-Buch stehe"
Marian Jagielski

Hinter seinem DJ-Pult hat er nicht nur unzählige CDs, sondern auch zwei Laptops mit Schlagermusik stehen hier. Schon bevor er den Tanzclub König übernahm, hatte Jagielski zwei Tanzlokale in Bad Nauheim, das Edelweiß und das Calypso, dies ist sein drittes. Vor 35 Jahren, als er hier Pächter wurde, hat er die Räumlichkeiten erstmal umgestaltet, so wie sie sich heute noch präsentieren: »Die Tanzfläche war viel kleiner, dann gab es einzelne, abgetrennte Räume.« Wände habe er rausgenommen, damit das Lokal großzügiger wirke, und eine lange Theke mit Barhockern eingebaut. Seine Bedienungen – hier wird noch an den Tischen serviert – sind fast alle von Anfang an dabei. »Es gab immer mal wieder Gerüchte, ich würde den Tanzclub schließen. Aber ich mache weiter, bis ich als ältester DJ im Guinness-Buch stehe«, sagt Jagielski und schmunzelt.

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Info

Die Jubiläumsparty

Zur Jubiläumsparty öffnet der Tanzclub König am Freitag, 29. September 2017, eine halbe Stunde später wie gewöhnlich, erst um 19.30 Uhr. Für die Gäste gibt es Häppchen und Sekt. Da Marian Jagielski mit vielen Tanzbegeisterten rechnet, gibt es heute Abend ausnahmsweise keine reservierten Plätze.

 

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Artikel vom 02.08.2013 - 15.00 Uhr

Tanzcafé: Stromausfall beschert neues Motto

Bad Nauheim (cor). Ein ganz normaler Tanzabend in der Kurstadt: Viele Gäste genießen die gute Stimmung im Tanzcafé König. Die Besucher kommen aus vielen Regionen, etwa aus dem Hochtaunuskreis, aus Gießen, Wetzlar oder Marburg. Manche kommen sogar zwei- oder dreimal die Woche, haben sich hier kennen und lieben gelernt.


Viele Stammgäste kommen jede Woche, um das Tanzbein zu schwingen. (Fotos: cor)
»Gerade mittwochs, freitags und samstags ist hier richtig was los«, sagt Tanzcafé-Inhaber Marian Jagielski. Nach über 30 Jahren kennt er jeden Stammgast persönlich. »Wir sind eine große Familie«, meint der Chef, der sich gerne unter seine Gäste mischt, mit ihnen lacht und die tolle Stimmung genießt.

Heidi Schnatz zählt zu den Stammgästen. Seit über 15 Jahren fährt sie regelmäßig zum Tanzen in die Kurstadt. »In Gießen wird doch eher etwas für junge Leute geboten, in Bad Nauheim fühle ich mich gut aufgehoben«, sagt die tanzbegeisterte Dame. Das Paket, das ihr im Tanzcafé König geschnürt wird, passe zu ihren Ansprüchen. »Es geht familiär zu, ich brauche als Frau keine Angst zu haben, kann einfach einen angenehmen Abend verbringen.« Freitags und samstags genieße sie die Motto-Abende, freitags den Singleabend, samstags den normalen Tanz. »Das Schöne ist: Ich kann als Frau auch die Männer zum Tanzen auffordern oder einfach alleine tanzen, wenn mir danach ist.«

Die familiäre Atmosphäre scheint das Erfolgsgeheimnis zu sein. Während viele Tanzlokale im Laufe der Jahre geschlossen haben, ging es im Tanzcafé König munter weiter. Mittlerweile fühlt sich Marian Jagielski wie der Großvater im Hause. Nicht nur er ist den Gästen vertraut, sondern auch seine Mitarbeiterinnen Heidrun Ulm, Susi Krausgrill und Ilse Remjunke. Sie alle arbeiten schon seit mindestens 27 Jahren im Tanzlokal. »Ilse Remjunke ist seit 31 Jahren, also seit der ersten Stunde dabei«, sagt Jagielski. Ein eingespieltes Team, das auch ein offenes Ohr für Kurgäste habe. Aus den Reha-Kliniken kämen allerdings nicht mehr so viele Gäste wie früher.

Haben sich im Café König vor 22 Jahren kennengelernt und sind seitdem ein Paar: Elisabeth und Jean-Paul Lissock.
 
Seit 22 Jahren zählen Elisabeth und Jean-Paul Lissock aus Bad Homburg zu den Gästen. »Das Tanzcafé ist ein Muss«, sagt das Ehepaar. »Wir haben uns schließlich vor 22 Jahren hier kennengelernt«, ergänzt Autor Jean-Paul Lissock, »und wir sind immer noch zusammen. Darum wollen wir unsere Liebe einmal in der Woche wieder aktivieren.« Jeder Besuch erinnere an das erste Treffen. Das Ehepaar tanzt leidenschaftlich gern. »Wir waren früher in Bad Nauheim in vielen Tanzlokalen, dieses ist geblieben.« Hier könne man auf alles tanzen, sagt Elisabeth Lissock. Am Café König schätze sie außerdem die Freundlichkeit des Personals.

Stromaggregat sorgt für lauten Jubel

An Ideen mangelt es Marian Jagielski auch nach über 30 Jahren nicht. Motto-Abende wie der Rosentanz oder Damenwahl gehören zum wöchentlichen Programm. Der große Stromausfall in Bad Nauheim am 28. Juni habe eine neue Motto-Idee beschert, den Romantikabend. »Das Haus war an dem Abend voll, alle Plätze waren besetzt«, erzählt der Geschäftsinhaber. Doch ohne Strom keine Beleuchtung und vor allem keine Musik. »Ich habe die Stadtwerke angerufen, gefragt, wann der Schaden denn wohl behoben sein könnte.« Bis 21 Uhr habe man gehofft und gewartet, dann musste eine Lösung her. »Die Musik kam bis dahin von einem Handy«, lacht Stammgast Heidi Schnatz, die den Abend miterlebt hat.

Ein Notstromaggregat wurde besorgt, somit konnte der DJ endlich loslegen. Für die passende Beleuchtung sorgten zahlreiche Kerzen oder Taschenlampen. »100 Gäste haben laut gejubelt, als die Musik endlich spielte«, sagt Jagielski. »Als zwischendurch das Benzin für den Stromerzeuger ausging, lief jemand los und besorgte Nachschub«, berichtet Schnatz. »Am Ende verabschiedete Marian Jagielski jeden Gast persönlich mit Handschlag.«

Der Romantikabend hatte seine ungewollte Premiere. »Ab September bieten wir den nun immer am ersten Freitag im Monat an«, sagt Jagielski. »Bei Kerzenschein und Musik.«

© Wetterauer Zeitung 2016 - www.wetterauer-zeitung.de

 

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